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Hildegardis Wulff (8. September 1896 - 20. Oktober 1961)

Nach der Entlassung aus der Haft. Sr. Hildegardis Wulff um 1960.Hildegardis Wulff wurde am 8.9.1896 in Mannheim als Liselotte Wulff geboren. Nach der Jahrhundertwende bezog Familie Wulff das Haus Sophienstraße 15 in der Mannheimer Oststadt, einem im Aufbau befindlichen Villenviertel, von wo aus Liselotte – wie konnte es anders sein – die 1911 in der Collinistraße neu errichtete Liselotte-Schule besuchte.


Dass Liselotte Wulff im Schulleben eine besondere Rolle spielte, geht aus dem Schul-Jahresbericht von 1913/14 hervor: Im Mai des Jahres 1914, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, statteten die Königlichen Hoheiten des Großherzogtums Baden der Schule einen Besuch ab. Liselotte war als Abiturientin dazu ausersehen, an der Spitze einer Mädchengruppe Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin einen Blumenstrauß zu überreichen und im Namen der Schulgemeinde ein Gedicht der Huldigung vorzutragen.

Nach dem Abitur schrieb sie sich an der Universität Heidelberg für Germanistik, später auch mittelalterliche Geschichte und Kirchenrecht ein und wurde 1920 mit einer Arbeit über Kaiser Friedrich II. und die Benediktiner und Zisterzienser zur Dr. phil. promoviert.

Den entscheidenden Anstoß in die endgültige Richtung Ihres Lebens erhielt sie durch katholische Freundinnen und Bekannte, darunter junge Ordensleute. Sie wurde eine der Gründerin der Benediktinerinnen von der hl. Lioba, deren Statuten 1927 von der römischen Religiosenkongregation bestätigt wurden. Als Dozentin der „Sozialen Frauenschule“ erhielt sie eine Einladung zu einer Vortragsreise im rumänischen Temeswar, dem Hauptort des Banat. Daraus entwickelte sich die Lebensaufgabe von Sr. Dr. Hildegardis Wulff: Sie gründete in Temeswar das Priorat St. Lioba, das zum Zentrum von Sozialarbeit und Volksbildung wurde. Das Priorat überstand die Zeit des Nationalsozialismus wegen des Rückhaltes in der Bevölkerung, wurde aber Opfer der kommunistischen Herrschaft. Sr. Hildegardis wurde 1950 inhaftiert und 1952 durch ein Militärgericht zu 25 Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit u. a. wegen „Spionage für den Vatican“ verurteilt, weil sie sich gegen die Gleichschaltungs-bestrebungen des kommunistischen Staates gestellt hatte.

Im Zug eines Gefangenaustauschs wurde sie 1959 in die Bundesrepublik entlassen und starb am 20.10.1961 in Freiburg.

Die Photographie hat uns freundlicherweise die Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V. zur Verfügung gestellt und ist dem 1996 erschienenen Buch "Schwester Hildegardis - Weg, Werk und Vermächtnis" entnommen.