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Lilojaner weltweit

Auf nach Ostafrika!

18_Elke auf dem Schulgelände ihrer Secondary School... hieß es für zwei unserer letztjährigen Abiturientinnen vergangenen Herbst.
Elke und Ladina haben sich beide entschieden über das weltwärts-Programm einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst abzuleisten.
Für Elke ging es nach Tansania, für Ladina nach Kenia.
Elke arbeitet an einer großen secondary school im Südwesten Tansanias. Ihr ist ziemlich freigestellt, was sie an der Schule macht, deshalb hat sie sich dazu entschieden, in die verschiedensten Bereiche hinein zu schnuppern. Zu ihren Hauptaufgaben zählen mittlerweile das zusätzliche Unterrichten der jüngsten Schüler in Englisch, die Unterstützung einer Science-AG und das Mitarbeiten in der Bücherei, wo sie verschiedene Aufgaben am Laptop hat. Ihr Mentor wohnt neben ihr und sie gehört quasi zur Familie.
Ladina wohnt in einem kleinen Dorf im Südwesten Kenias. Dort arbeitet sie in einer Grundschule (1-8. Klasse). Ihre Aufgaben im Projekt sind es mit den Kindern zu spielen, die Lehrer bei den Korrekturen zu unterstützen und in der Bibliothek zu arbeiten. Sie hat sich dafür entschieden, vor Ort Spenden für die Grundschule zu sammeln und setzt mit diesen Mitteln Projekte um. Die maroden Wände der Grundschule werden beispielsweise abgerissen, um sie aus Stein zu erneuern. Sie kontrolliert die Finanzierung, Planung und Durchführung des Projekts und führt sie eigenständig durch. Sie wohnt in einer großen Pastor-Familie. Neben ihren Gasteltern hat sie vier Gastgeschwister. Alle sind ihr sehr ans Herz gewachsen.

18_Ladina mit ihren Kindergarten-KindernDie beiden schreiben dazu:
Anfangs gab es viele Dinge, die neu für uns waren. Zum Beispiel, dass es nicht immer fließendes und wenn dann sowieso nur kaltes Wasser gibt, dass die Kleidung mit der Hand gewaschen wird oder dass wir manchmal plötzlich im Dunkeln sitzen, weil Stromausfall ist; auch dass man mit Motorrad-Taxis herumdüst oder mit doppelt so vielen Menschen wie zugelassen in einem Auto sitzt. Kleinkinder streifen oft alleine in der Nachbarschaft herum - manchmal mit einer ganzen Kuhherde - und es gibt (in der Regenzeit) heftige Regengüsse, die die Wege zu Schlamm verwandeln und einen dort festhalten, wo man gerade ist. Und das sind nur einige Beispiele einer endlosen Liste…
Es ist außerdem unglaublich, wie gastfreundlich und hilfsbereit die meisten Menschen hier sind. Man wird durchgehend von Freunden eingeladen und darf deren Haus nicht verlassen, bis man etwas gegessen oder wenigstens einen Tee getrunken hat. Die meisten Gerichte hier sind super lecker und die Portionen häufig riesig.
Trotz der Gastfreundschaft erfahren wir aber auch oft, was es bedeutet fremd zu sein. Man fällt überall auf und wird besonders behandelt. Allgemein haben wir hier vieles zu schätzen gelernt, was uns in Deutschland selbstverständlich schien.
Jeden Tag wachsen uns die Menschen hier mehr ans Herz. Wir werden einiges hier sehr vermissen und werden sicherlich auch wiederkommen.
Wegen all der Erfahrungen sind wir unglaublich froh, uns für den Freiwilligendienst in Ostafrika entschieden zu haben und sind gespannt, was in den letzten Wochen vor unserer Heimreise noch so passiert. Wir würden den Schritt, ein Auslandsjahr zu absolvieren, sehr empfehlen!
Übrigens: Man findet auch Zeit zum Reisen. Die Landschaften Ostafrikas sind unfassbar schön und vielfältig!
(Elke Neumann und Ladina)

Ein Jahr Freiwilligendienst in Argentinien

17_Johannes WelkerÜber seine Arbeit und seine Erfahrungen in einem Jahr Freiwilligendienst in Argentinien berichtete der ehemalige Schüler des Lilo, Johannes Welker (Abitur 2016), am 11. Oktober 2017 im Rahmen einer MiLilo-Veranstaltung.
Dabei erklärte er die Unterschiede der Schulsysteme von Argentinien und Deutschland, berichtete von seinen Erfahrungen als Deutsch- und Englischlehrer und erzählte von seinen Erlebnissen mit Land und Leuten.

Johannes Welker war vom September 2016 bis August 2017 in Argentinien.

Er hat in Los Cardales (Provinz Buenos Aires) an dem Projekt "Fundación Hölters Schule Natur" Deutschunterricht gegeben und zusätzlich an einem Projekt der Hölters-Schule gearbeitet. Das war eine staatliche Schule in Río Lujan (Buenos Aires), wo er als Englisch-Lehrer aktiv war.

Seine Entsendeorganisation war IN VIA Köln e.V., alles lief unter dem Programm "weltwärts", das vom BMZ gefördert wird.

Auf der neuen Seidenstraße von Hamburg nach Shanghai

Horst Reitz beim VortragÜber seine ZEIT-Reise auf der neuen Seidenstraße von Hamburg nach Shanghai berichtete Horst Reitz, bis 2011 Lehrer für Geschichte und Englisch am Lilo, am 23. Februar 2017 Schülerinnen und Schülern der Kursstufe 1 in der Cafeteria. In 53 Tagen war er mit dem Bus über 14.000 Kilometer gereist und hatte davon viele Eindrücke und Bilder mitgebracht.
Entlang seines Reisewegs von Polen, Weißrussland, Russland, Usbekistan, Kasachstan nach China vermittelte Horst Reitz den Schülern einen interessanten und vielfältigen Einblick in Geschichte, Kultur, Religion, Geographie, Wirtschaft und Politik dieser Gebiete. Besonders aufschlussreich sind diese Informationen vor dem Hintergrund, dass China gezielt an der wirtschaftlichen Entwicklung der neuen Seidenstraße von Asien nach Europa arbeitet. Anhand vieler kleiner Beobachtungen gab der ehemalige Lehrer den Schülern einen sehr guten Einblick in diese gegenwärtigen Entwicklungen.

Impressionen aus China

Am 23. November 2016 zeigte und berichtete Jessica Hamann-Anetzberger „Impressionen aus China“. Die Lehrerin des Lilo hat im vergangenen Schuljahr an einer chinesischen Schule in Peking unterrichtet. Vom Leben, Lehren und Lernen in einer Millionenstadt und an einer Schule mit rund 3000 Schülern und 390 Lehrern handelte ihr Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mittwochs am Lilo“.

Eine ehemalige Lilojanerin als Galeristin in New York

14_new_york_galeristinoder: Eine Begegnung mit einer außergewöhnlichen Frau
– von unserem Kollegen Christoph Heidelberger

Im Oktober 2013 wurde der neu sanierte Altbau der Mannheimer Kunsthalle in einem Festakt wiedereröffnet. Ich war auch dort und wurde so Zeuge einer Rede von Hildegard Bachert – einer aus Mannheim stammenden Amerikanerin jüdischen Glaubens, die als Gast geladen war und von ihrer Kindheit in unserer Stadt erzählte. Sie wurde 1921 hier geboren und berichtete unter anderem, dass sie die damalige Liselotte-Schule besucht habe, und dass sie gar nicht wisse, ob es diese noch gebe. Nach dem Festakt sprach ich sie daher an, um ihr vom heutigen Liselotte-Gymnasium zu erzählen. Wir hatten ein kurzes, aber sehr angeregtes Gespräch. Sie gab mir eine Karte ihrer Galerie in New York und lud mich ein, dort einmal vorbeizukommen.

14_new_york_02In den Pfingstferien reiste ich dann privat nach New York, wie ich es schon lange vorhatte, und besuchte Frau Bachert; auch, um ihr die Festschrift aus dem Jubiläumsjahr 2011 zu überreichen, in der viel zur Geschichte unserer Schule zu lesen ist. Sie hat sich darüber sehr gefreut.

Ihre Geschichte lässt sich auch in ihren Memoiren nachlesen, die anhand von Gesprächen im Jahr 2010 aufgezeichnet wurden. Sie blickt darin auf ein ganz erstaunliches Leben zurück, auf eine Geschichte beinahe wie aus einem Roman über den amerikanischen Traum.

Hildegard Bachert stammt aus einer ursprünglich wohlhabenden jüdischen Mannheimer Familie. Die Bacherts waren weitgehend assimiliert; wichtige Feiertage wurden begangen, aber kein koscherer Haushalt geführt. In dieser Form praktiziert sie ihren Glauben auch bis heute. Man verstand sich in erster Linie, nachgerade patriotisch, als „gute Deutsche“; Bacherts Vater hatte auch im Ersten Weltkrieg gedient. Dennoch war ihm als Jurist und wachem Geist nach der Machtübernahme der Nazis schnell klar, dass dies ihm und seiner Familie auf lange Sicht kaum helfen würde, und so nutzte er familiäre Kontakte nach Chicago, um eine rasche Auswanderung der Familie in die USA zu ermöglichen.

Im Jahr 1936 – Hildegard war damals gerade 15, ihre ältere Schwester 21 – nahm die Familie ein Schiff von Hamburg nach New York. Es gab dort bereits eine etablierte jüdische Community, die die Neuankömmlinge zum Teil auch unterstütze. Gleichzeitig ist ihren Memoiren zu lesen, dass dies nicht nur eine angenehme Erfahrung war, da viele dieser oft sehr wohlhabenden New Yorker sich den fast mittellosen Flüchtlingen gegenüber auch arrogant und herablassend verhielten.

14_new_york_03Hildegard Bachert besuchte dann die High School. Über Kontakte in einer Jugendgruppe lernte sie den Enkel eines Galeristen kennen und besuchte mit ihm zahlreiche Ausstellungen. So entwickelte sie schon in jungen Jahren ein großes Interesse an Kunst. Daher bewarb sie sich nach ihrem Schulabschluss in der Nierendorf-Galerie, wo sie als Volontärin eine Stelle erhielt. Sie lernte in dieser Zeit Otto Kallir kennen, in dessen Galerie St. Etienne sie dann 1940 als Sekretärin anfing. Die Galerie war und ist künstlerisch bedeutend, unter anderem, weil sie wichtige deutsche Künstler wie Paula Modersohn-Becker und Käthe Kollwitz dem amerikanischen Publikum nahe brachte.

Bachert bewährte sich dort als fleißige und fachkundige Assistentin. Als Kallir im Jahr 1978 verstarb, übernahm sie mit dessen Enkelin, Jane Kallir, die Leitung der Galerie – eine Aufgabe, die sie bis heute, im Alter von 93 Jahren, mit Freude und Herzblut meistert. Schon lange wohnt sie in der beliebten Gegend westliche des Central Park, der Upper Westside. An den Wochenenden fährt sie oft zu ihrer Nichte nach Vermont. Sie liebe die Landschaft dort, weil sie sie an den Schwarzwald erinnere, wo sie als Kind öfter gewesen sei. Sie fliegt auch gelegentlich noch zu Kunstmessen wie der Art Cologne oder der Art Basel nach Europa.

Da sie dadurch nie den Kontakt zur deutschen Sprache verloren hat, führen wir unser Gespräch auch auf Deutsch. Frau Bachert hat sich dabei ein weiches und liebenswertes Mannheimerisch bewahrt. Auf meine Frage, ob sie denn nie an den Ruhestand denke, antwortet sie: „Ich denke manchmal schon daran. Aber ich denke gar nicht daran!“ Ich erzähle ihr auch von unserem Schüleraustausch mit den USA, dessen letzten Tage wir traditionell in New York verbringen. Zum Abschluss lädt sie daraufhin auch unsere Schüler ein, sie doch einmal in ihrer Galerie zu besuchen.

Sr. Hildegardis Wulff

Der großen Ordensfrau aus Mannheim zum 120. Geburtstag - ein Bericht von lic. theol. Günther Saltin aus dem Jahre 2016.

Der Konvent der Lioba-Schwestern 1933 am Tag der ersten \"Ewigen Profess\"Nur wenigen Mannheimern ist bewusst, dass eine der vitalsten Ordensgründungen in der Wendezeit zwischen den beiden Weltkriegen entscheidend mitgestaltet wurde durch eine junge Frau aus ihrer Stadt: Liselotte Wulff, geboren am 8. September 1896 als älteste Tochter der Eheleute Richard und Elisabeth Wulff in der Kirchenstraße 10 im Jungbusch, der damals, wie die Architektur noch heute erkennen lässt, großbürgerlich geprägt war. Richard Wulff war als erfolgreicher Handelsmann aus Westfalen in der dynamisch wachsenden Handels- und Verkehrsmetropole an Rhein und Neckar ansässig geworden. Die Familie konnte sich Reisen ins europäische Ausland und der Tochter einen Internatsaufenthalt in der Schweiz leisten.
Nach der Jahrhundertwende bezog Familie Wulff das Haus Sophienstraße 15 in der Mannheimer Oststadt, einem im Aufbau befindlichen Villenviertel. Von hier aus besuchte Liselotte – wie konnte es anders sein – die 1911 in der Collinistraße neu errichtete Liselotte-Schule, benannt nach Elisabeth Charlotte d`Orléans, die den Töchtern großbürgerlicher Familien den Weg zum Hochschulstudium bereiten sollte.
Liselottes Familie wusste sich wie die meisten großbürgerlichen Familien dem liberalen Protestantismus verbunden: Das Maß aller Dinge war die Vernunft. Als Aufgabe der Religion erkannte man in allererster Linie die Anleitung zu vernunftgemäßem Handeln zum Wohl aller in Verantwortung vor Gott und den legitimen Autoritäten. Der evangelische Religionsunterricht an der Liselotte-Schule entsprach exakt diesem Muster; er war von vorneherein nicht darauf angelegt, zu sensibilisieren für die transzendente Wirklichkeit als einem unergründlichen Geheimnis jenseits aller Vernunft.
Als Schülerin war Liselotte Wulff den Idealen der Jugendbewegung verpflichtet: Das Erleben der Natur, das Interesse an Zeugnissen der heimatlichen Geschichte, Freundschaft, der couragierte Einsatz für Mitmenschen, denen Unrecht geschah, verbunden mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein - Werte und Eigenschaften dieser Art werden genannt, wenn sich Mitschülerinnen in der Erinnerung über sie äußern.
Dass Liselotte Wulff im Schulleben eine besondere Rolle spielte, geht aus dem Schul-Jahresbericht von 1913/14 hervor: Im Mai des Jahres 1914, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, statteten die Königlichen Hoheiten des Großherzogtums Baden der Schule einen Besuch ab. Liselotte war dazu ausersehen, an der Spitze einer Mädchengruppe Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin einen Blumenstrauß zu überreichen und im Namen der Schulgemeinde ein Gedicht der Huldigung vorzutragen, das eine Lehrerin der Schule verfasst hatte und mit den Versen endete:

Und diese Blumen, lichte Frühlingsboten,
Sie mögen mehr denn unsre Worte sagen:
Daß warm und treu im alten Pfälzerlande
Der Jugend Herzen Euch entgegenschlagen!

Anschließend sang der Schülerinnenchor:

Treue Liebe bis zum Grabe schwör` ich Dir, mein Vaterland !

Was ihr beim Besuch der Hoheiten noch wie selbstverständlich über die Lippen gekommen war, erschien ihr wenig später höchst fragwürdig. Sie schrieb sich nach einem exzellent gemeisterten Abitur an der Universität Heidelberg (für kurze Zeit auch in Bonn) ein für Germanistik, später auch mittelalterliche Geschichte und Kirchenrecht. Die Konfrontation mit den Auswirkungen des Krieges bei Studenten, die verletzt und krank von der Front an die Universität zurückkamen, und vor allem der Kontakt mit jungen Ordensleuten, die einen Lazarettdienst absolviert hatten, trugen dazu bei, ihr bisheriges Weltbild ins Wanken zu bringen: „`Unser Kaiser`, `unser Hindenburg` hatten als Begriff und Person für mich ihren Glorienschein verloren in dem gleichen Maß, in dem sich uns im Seminar für mittelalterliche Geschichte neue Bilder auftaten, wie das des modernen christlichen Sozialismus oder des `Heiligen Römischen Reiches`(Imperium im Sinn des hl. Augustinus).“ Entscheidend für ihr weiteres Leben waren Begegnungen mit „Vertretern jener neuen christlichen und sozialen Weltanschauung, die sich bald nach dem Krieg in Deutschland ausbreitete. Christentum war für sie nicht eine Schulweisheit für Katheder und Kanzel, sondern war Leben.“ Gelebtes Christentum aber beginnt und entfaltet sich in der Begegnung mit dem Mysterium des absoluten Gottes, der in Jesus Christus Mensch und Schöpfung vorbehaltlos annimmt, und als Antwort auf die empfangene Zuwendung im Dasein füreinander.
Am 17. Januar 1918 wurde Liselotte Wulff in der Kapelle des St. Joseph-Krankenhauses in der Heidelberger Weststadt in die katholische Kirche aufgenommen. Diese Konversion ist frühes Beispiel einer signifikanten Hinwendung zur katholischen Kirche in der Zwischenkriegszeit bei jungen Menschen eines hohen Bildungsgrades, darunter auffallend viele Frauen (zwei Beispiele von vielen: Edith Stein; Ruth Schaumann).
1920 wurde sie mit einer Arbeit über Kaiser Friedrich II. und die Benediktiner und Zisterzienser zur Dr. phil. promoviert.

Volksschule für Mädchen inn Temeschburg, 1941Den entscheidenden Anstoß in die endgültige Richtung ihres Lebens erhielt sie durch katholische Freundinnen und Bekannte, darunter junge Ordensleute. Diese „erzählten mir von neu gegründeten Orden und Säkularinstituten im In- und Ausland, welche, schon gegründet oder geplant, den Kampf mit dem Elend der Zeit aufnahmen, und, was mir wesentlich erschien, der Frau die Möglichkeit zur apostolischen Tätigkeit außerhalb von Schule und Krankenhaus erschließen wollten.“ Im Kloster Lichtenthal (Baden-Baden) empfing sie den ihr weiteres Leben bestimmenden Hinweis: Abt Ildefons Herwegen OSB von Maria Laach, der sich in dieser Zeit hier aufhielt, berichtete ihr von Maria Föhrenbach in Freiburg, einer ausgebildeten Musikerin, die aufgrund ihrer Erfahrungen im Lazarettdienst den Plan einer Ordensgründung verfolgte, in der benediktinisches Gebetsleben und apostolische Tätigkeit, die sich an den konkreten Nöten der Zeit ausrichtet, eine Einheit bilden. Dies entsprach auch den Vorstellungen Liselotte Wulffs. Sie nahm im September 1920 Verbindung mit ihr auf und wurde so, gemeinsam mit Maria Föhrenbach und Elisabeth Steinbacher, Gründerin der Benediktinerinnen von der hl. Lioba, deren Statuten 1927 von der römischen Religiosenkongregation bestätigt wurden.
Als Dozentin der „Sozialen Frauenschule“ in Freiburg kam sie in Kontakt mit zwei Ungarinnen, die zu den „Sozialen Schwestern“ gehörten und zur Ausbildung nach Deutschland entsandt worden waren. Die beiden waren von der religiösen Substanz der Ausführungen ihrer Lehrerin und deren Ausstrahlung so angetan, dass sie diese zu einer Vortragsreise in ihr Arbeitsgebiet im rumänischen Temeswar, dem Hauptort des Banat, einluden, wo die lange Zeit religiös vernachlässigten „Banater Schwaben“ ein der Bearbeitung harrendes Missionsfeld boten.

Nach der Entlassung aus der Haft. Sr. Hildegardis Wulff links.Aus der Einladung entwickelte sich die Lebensaufgabe von Sr. Dr. Hildegardis Wulff: Sie gründete in Temeswar das Priorat St. Lioba, das zum Zentrum von Sozialarbeit und Volksbildung wurde. – Das Priorat überstand die Zeit des Nationalsozialismus wegen des Rückhaltes in der Bevölkerung, wurde aber Opfer der kommunistischen Herrschaft. Sr. Hildegardis und Sr. Patricia wurden 1950 inhaftiert und 1952 durch ein Militärgericht zu 25 Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit u. a. wegen „Spionage für den Vatican“ verurteilt, weil sie sich, gemeinsam mit Dr. Augustin Pacha, dem letzten Bischof in Freiheit, gegen die Gleichschaltungsbestrebungen des kommunistischen Staates gestellt hatten.
Im Zug eines Gefangenaustauschs wurde sie 1959 in die Bundesrepublik entlassen und starb 1961 in Freiburg, nach der Rückkehr von einer Vortragsreise nach Kanada zu deutschen Landsmannschaften.