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Gedanken zum Übergang

G8, Kontingentstundentafel, Profile, Pool-Stunden, Gemeinschaftsschule, ... – die Diskussion in der Bildungstheorie und der Bildungspolitik wird zunehmend komplexer und damit für Laien (wie z.T. auch für betroffene Lehrkräfte) immer undurchsichtiger. Diese und andere (außerschulische) Faktoren (z. B. neue Familienstrukturen, Arbeitsmarktsituation etc.) führen zu einer allmählich stärker zu beobachtenden Verunsicherung von Schülern und Eltern.

„Welche Schule ist die richtige für mein Kind?“ – Wer kennt nicht diese Frage? Diese Zeit des Übergangs ist äußerst sensibel, da nun die Weichen für die Zukunft der Kinder (meist) entscheidend gestellt werden, ohne dass die Eltern die Entwicklung ihres Kindes zu dem Zeitpunkt ausreichend einschätzen können.

Das neue Übergangsverfahren

Mit der Neuregelung des Übergangsverfahrens in die weiterführende Schulen ab dem Schuljahr 2012/13 treffen nunmehr Sie als die Erziehungsberechtigten letztlich die Entscheidung, wie es weitergehen soll.

Diese Entscheidung kann unabhängig von der Grundschulempfehlung erfolgen. Damit übernehmen Sie aber auch mehr Verantwortung für das Wohl Ihres Kindes.

Ihrer elterlichen Entscheidung geht eine Beratung durch die Grundschule voraus. Hierbei werden neben der Notenleistung auch die soziale und psychische Reife sowie das Entwicklungspotential Ihres Kindes betrachtet, so dass diese Informationen und dieser Austausch gute Grundlagen sind, um Ihnen Ihre Entscheidung zu erleichtern und eine Orientierung zu geben.

Zwar ist die Grundschulempfehlung nicht mehr verbindlich, aber sie stellt eine pädagogische Gesamtwürdigung Ihres Kindes dar, indem sie seine schulische Leistungen, die bisherige Entwicklung, Stärken und Lernpräferenzen angemessen berücksichtigt.

Eltern stehen manchmal vor einem Dilemma: Einerseits möchten Sie ihrem Kind alle Wege für die Zukunft offen halten, gleichzeitig wollen Sie Ihre Kinder nicht überfordern. Doch wie macht man es richtig?

Die Wahl über die weitere Schullaufbahn sollte man nicht dem Kind überlassen, sondern Sie müssen Ihre Verantwortung für eine pädagogisch angemessene Entscheidung übernehmen.

Zeigt das Kind eine Abneigung gegen höhere Leistungsanforderungen und verweigert es trotz intellektueller Voraussetzungen immer wieder das Lernen, sollte man den gymnasialen Weg gut überlegen, denn neben der Intelligenz zählt auch die Motivation des Kindes. Je leichter bestimmte Kompetenzen des Kindes - seien es fachliche, soziale oder methodische - zu erkennen sind, desto leichter fällt die Festlegung für das Gymnasium.

Pädagogik des Übergangs

Haben Sie sich nun für das Gymnasium entschieden, stellt sich angesichts des großen Angebots an Gymnasien in Mannheim die Frage nach der geeigneten Schule.

„Wohin geht die beste Freundin/der beste Freund?“ „Wie ist die Schule für mein (ca. zehnjähriges) Kind möglichst gefahrlos erreichbar?“ „Was kann die einzelne Schule meinem Kind über die unterrichtliche Grundversorgung hinaus bieten (Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung etc.) und damit evtl. beitragen, die familiäre Situation zu entlasten?“ „Was hört man so von der betroffenen Schule?“ – dies sind nur wenige Fragen, die in dieser Übergangszeit immer wieder gestellt werden. Interessierte Eltern besuchen Informationsabende der in Frage kommenden Schulen und hoffen danach, aus der Fülle der Informationen die ‚richtige’ Schule finden zu können.

Aufgrund der beschriebenen Schwierigkeiten hat sich vor einigen Jahren am Lilo eine Arbeitsgruppe konstituiert, die die Sorgen und Nöte der Eltern sehr ernst nimmt und den Kindern und ihren Eltern helfen möchte, den Übergang in die neue Schule zu erleichtern. In dieser Arbeitsgruppe arbeiten Lehrkräfte mit, die aus eigener Erfahrung um die besondere Situation der Kinder wissen.

Das Aufgabengebiet, das es in der Gruppe zu bearbeiten gilt, ist „ein weites Feld“. Exemplarisch seien folgende Maßnahmen genannt:

  • Gestaltung der ersten Phase der neuen Klasse 5 durch eine besondere Form des Anfangsunterrichts.
  • Im Verlauf des 5. Schuljahres verschiedene \"Lernen lernen\"-Praktika.
  • Förderung des sozialen Lernens bei Kennenlernfahrten der 5. Klassen.
  • Organisation eines Patensystems, bei dem ältere Schülerinnen und Schüler den neuen Fünftklässlern mit Rat und Tat zur Seite stehen.
  • Stärkung des sozialen Klimas durch Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien.
  • Ausbildung und Einsatz von Schülermediatoren.
  • Organisation der Hausaufgabenbetreuung, die es Kindern ermöglicht, nach dem Mittagessen in der Schule unter Aufsicht ihre Hausaufgaben zu erledigen.
  • In der 5. Klasse kein Nachmittagsunterricht.
  • Förderunterricht (individuelle Förderung in Deutsch und Mathematik).

Eine Schule mitzugestalten, welche die Bedürfnisse von Schülern, Eltern und Lehrkräften zum Wohle aller am Schulleben Beteiligten angemessen berücksichtigt und so von einer vertrauensvollen und friedlichen Atmosphäre geprägt ist – ein hehres Ziel, wofür sich der Einsatz lohnt.

Für die Arbeitsgruppe „Pädagogik des Übergangs“

Roland Riegler und Claudia Hormuth

Gemeinsam in eine Richtung rudern